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Ein feuriger und lebhafter Freund. Gottfried Keller und der Frauenfelder Johann Müller

Gottfried Keller zählt zu den bekanntesten Schweizer Schriftstellern überhaupt. Was viele nicht wissen: Der Zürcher Autor pflegte eine innige Verbindung zu einem Frauenfelder Baumeistersohn und späteren Architekten. Diese nicht unproblematische Freundschaft zwischen Keller und Johann Ulrich Müller (1819-1888) ist Thema am Museumshäppli des Historischen Museums Thurgau.

Ferner hatte ich um die Zeit einen feurigen und lebhaften Freund, welcher meine Neigungen stärker teilte, als alle anderen Bekannten, viel mit mir zeichnete und poetisch schwärmte und, da er noch die Schulen besuchte, reichlichen Stoff von da in meine Kammer brachte.» So erzählt Heinrich Lee in Gottfried Kellers berühmtem Roman «Der grüne Heinrich» (1854/55). Dieser Freund spielt eine fragwürdige Rolle im Entwicklungsgang des glücklosen Malerlehrlings. Die in einen schwärmerischen Briefwechsel verlagerte Freundschaft zerbricht nämlich, als Heinrich Lee entdeckt, dass ihn der andere an der Nase herumgeführt hat.

Vorbild in der Wirklichkeit

Schon kurz nach Gottfried Kellers Tod 1890 wurde bekannt, dass dieser «feurige und lebhafte» Jugendfreund ein Vorbild in der Wirklichkeit hatte. Es handelte sich um den Frauenfelder Johann Ulrich Müller. Die kunstsinnigen und phantasiebegabten Mittelschüler hatten sich 1834 in Zürich kennen gelernt und verbündet. Auch die Briefe existieren, sie werden im Nachlass Gottfried Kellers in der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt.

Fiktion vs. Realität

Anlässlich Kellers 200. Geburtstags hat sich die Frauenfelder Kunsthistorikerin und Germanistin Monica Seidler-Hux auf die Suche nach dem echten Johann Müller gemacht und seine bisher magere Biografie rekonstruiert. Dabei ist sie auf überraschende Parallelen zwischen den beiden Freunden und auf bisher unbekannte Stationen im Leben des späteren Architekten und Ingenieurs gestossen. Am Museumshäppli vom 23. Mai 2019 zeigt sie auf, was Wahrheit und was Fiktion ist, wie sich die Beziehung der beiden gestaltete und was aus dem Frauenfelder geworden ist.

Die Veranstaltung findet um 12.30 Uhr im Schloss Frauenfeld statt. Eintritt frei, ohne Anmeldung

In einem Brief von Johann Müller an Gottfried Keller ersetzt eine Skizze vom Schloss das Wort «Frauenfeld» in der Datumszeile.
In einem Brief von Johann Müller an Gottfried Keller ersetzt eine Skizze vom Schloss das Wort «Frauenfeld» in der Datumszeile.
Bildnachweis: Zentralbibliothek Zürich

Veranstaltungsort

Schloss Frauenfeld
8500  Frauenfeld

Allgemeine Angaben

Tel. +41 58 345 73 80
historisches.museumNULL@tg.ch
https://historisches-museum.tg.ch

Organisation

Historisches Museum Thurgau