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Museumshäppli: Schlicht ist Pflicht

Um 1500 erfasst ein neuer Zeitgeist das Abendland. In ganz Europa gerät die allmächtige katholische Kirche in die Kritik. Die Reformatoren bekämpfen den Ablasshandel, fordern eine Rückbesinnung auf die Bibel, lassen Heiligenbilder zerstören und lösen Klöster auf. Erneuert werden soll auch der Gottesdienst, der sich bisher durch viel Pomp und die Verwendung kostbarer Messgeräte aus edlen Metallen ausgezeichnet hat.
Am Hohen Donnerstag im Jahre 1525 ist es soweit: Im zürcherischen Grossmünster feiert die Gemeinde erstmals die Messe nach reformiertem Brauch. Welches sind die Kennzeichen dieser neuen Form des Gottesdienstes und welche Forderungen stecken hinter der reformierten Liturgie? Am Museumshäppli vom Donnerstag, 29. Juni 2017, um 12.30 Uhr im Schloss Frauenfeld erhellt Kunsthistorikerin Betty Sonnberger diese einschneidende Veränderung im Zuge der Reformation.

Prunk auf Kosten anderer

Aus heutiger Perspektive mag es unbedeutend erscheinen, welche Messgeräte ein Pfarrer während des Gottesdienstes verwendet. Ob eine schlichte Variante aus Holz, Zinn, Kupfer oder Messing oder kostbare Geräte aus Edelmetall – was macht dies für einen Unterschied?
Ganz anders beurteilen dies die Reformatoren. Die edlen Kreuze, Kelche und Gefässe aus Gold und Silber stehen für die ungerechtfertigte Bereicherung der katholischen Kirche auf Kosten der Gläubigen. Die einfachen Menschen geben ihr letztes Hemd für einen Ablassbrief, um sich von ihren Sünden freizukaufen. Derweil lassen die kirchlichen Machthaber mit diesen Einkünften prunkvolle Einrichtungen erschaffen. So entsteht die Forderung nach einer neuen Schlichtheit, die auch in der Messe zum Ausdruck kommen soll: «Die Schüsseln und Becher des Nachtmahls sind hölzern.», fordert der Reformator Zwingli unbeirrt.
Zwinglis Wille wird Folge geleistet: In den evangelisch-reformierten Kirchgemeinden wird diese Vorschrift bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts  strikt eingehalten – auch im Thurgau. Rund 20 hölzerne Abendmahlskelche und -becher, die damals in thurgauischen Gemeinden verwendet wurden, sind heute noch erhalten. Betty Sonnberger wird im Kurzreferat über Mittag auf deren Besonderheiten eingehen und die Unterschiede zu den katholischen Gerätschaften herausstreichen. Eintritt frei, ohne Anmeldung.

Die prunkvollen katholischen Messgeräte stehen den schlichten Varianten der evangelisch-reformierten Kirche gegenüber.
Die prunkvollen katholischen Messgeräte stehen den schlichten Varianten der evangelisch-reformierten Kirche gegenüber.

Veranstaltungsort

Historisches Museum Thurgau
Schloss Frauenfeld 
8500  Frauenfeld
Lageplan

Weitere Informationen

Tel. 058 345 73 80
historisches.museumNULL@tg.ch
http://www.historisches-museum.tg.ch