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Ein Doppellooping vor dem Kloster

Die Künstler Matthias Bildstein und Philippe Glatz haben ein einzigartiges Kunstwerk für die Kartause Ittingen entworfen: Seit Mitte April bauen sie mit ihrem Team und betreuten Mitarbeitern der Stiftung Kartause Ittingen einen knapp 15 Meter hohen Doppellooping. Am Sonntag, 21. Mai, um 11.30 Uhr wird das Kunstwerk im Rahmen des Internationalen Museumstags eröffnet.

In Sonne, Regen und Schnee wächst derzeit vor dem Westtor zur Kartause Ittingen die Konstruktion mit dem Titel LOOP in den Himmel. 24 grosse Bogenelemente aus Aluminium verbinden sich Stück für Stück zu einem riesigen Doppellooping. Werden auch in der Kartause Ittingen spirituelle Erfahrungen durch den ultimativen Adrenalinrausch abgelöst? Doch benutzbar ist LOOP keineswegs…

In ihrem Werk bedienen sich die Künstler Matthias Bildstein (Wien) und Philippe Glatz (Kreuzlingen) häufig der formalen Sprache von Sport- und Freizeitindustrie und überführen sie in die Bildende Kunst. Das gemeinsame Schaffen des Künstlerduos umfasst neben überdimensional grossen Konstruktionen und Gemälden in öffentlichen und musealen auch kleinere Skulpturen, Multiples oder Installationen wie eine Minigolfanlage mit Hindernissen aus Bronzegüssen. Ihre Konstruktionen in öffentlichen Räumen zeigen, was Kunst heute alles sein kann – Gebilde zwischen Spektakel und Konsumkritik, Bauexperiment und Gedankengebäude, Verheissung und Verweigerung. Inmitten der ländlichen Idylle, zwischen Hopfenfeldern, dem Wald und den umgebenden Hotel- und Seminargebäuden, wirkt LOOP wie ein rätselhaftes Gebilde zwischen Nostalgie und Futurismus, technisch wie ästhetisch einzigartig: eine statische Herausforderung und ein künstlerisches Wagnis. Handelt es sich um ein fantastisches Gedankenspiel, bei dem eine geistige an die Stelle einer körperlich nicht realisierbaren Bewegung tritt?

Form und Gestaltung der Grossplastik geben Hinweise auf den Ortsbezug: Die «Fahrbahn» des Doppelloopings wurde von den Künstlern gemeinsam mit betreuten Mitarbeitern der Stiftung Kartause Ittingen in stark kontrastierendem schwarz-rosa-hellblau-Tönen bemalt: Die Lettern vor einem nächtlichen Firmament voller Kometen und Galaxien formen sich zum Endlossatz «LOOP THE LOOP THE LOOP». Das Schriftband und die komplexe Form des Doppelloopings spielen auf verschiedene Sinnbilder, Modelle und Repräsentationsformen an: Die elliptischen Bögen erinnern an Urformen wie die Spirale der DNA-Helix, an das mathematische Modell des Möbiusbandes oder an die Unendlichkeits-Symbolik einer liegenden Acht.

Die durch die Kreisformen suggerierte Dynamik und die Sternennebel verweisen auf andere Dimensionen. Auf dem ehemaligen Klostergelände kommt jene hinzu: Wo der Einsiedler- und Schweigeorden der Kartäuser über vierhundert Jahre sein zurückgezogenes Leben in Gebet und Meditation führte, verleiht die geschwungene Fahrbahn der Vorstellung vom selbstvergessenen Kreisen im Kopf neue Bedeutung. Auf der Umlaufbahn zweier, miteinander verbundener Kreise stellen sich neue und alte Fragen – nach Spiritualität und zeitgenössischem Spektakel, nach der Sinnhaftigkeit unserer Leistungsgesellschaft und Selbsterkenntnis. So wird LOOP zum Sinnbild für die Reflexion über jegliches Handeln und Dasein, für Versenkung und Entrückung. Er wird zur Metapher für die Bewegung in Richtung Unendlichkeit.