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Heumilch erreicht nationale Ebene

Am BBZ Arenenberg werden zukunftsweisende Projekte in der Milchwirtschaft vorangetrieben, welche die Produktion, die Verarbeitung und die Vermarktung verbinden. Zusammen mit Agro Marketing Thurgau AG wurde vor drei Jahren das Projekt Heumilch gestartet, welches nun bereits die nationale Ebene erreicht hat. Es soll nun über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht werden. Dies mit dem Ziel, eine für die Zukunft nachhaltige und tierfreundliche Milchwirtschaft mit angemessener Wertschöpfung für die Bauernfamilien zu sichern.

Die Milchwirtschaft am BBZ Arenenberg hat eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert. Die Entwicklungen am Markt motivieren, sich aktiv nach neuen Möglichkeiten umzuschauen, damit auch in Zukunft die Milchwirtschaft mit einer angemessenen Wertschöpfung für die Bauernfamilien eine Chance hat. Dabei spielen Nachhaltigkeit und Tierfreundlichkeit eine wichtige Rolle. Gerade die silofreie Milchwirtschaft, welche in der Schweiz mit immer noch 31% gegenüber Europa mit nur noch 3%, sehr hoch ist, soll erhalten werden. Im Thurgau kann von einer Quote von etwa 50% silofreier Milch gesprochen werden.

Heumilch Schweiz hatte seine Anfänge im Thurgau
Schon vor mehr als drei Jahren schaute das Team der Regionalen Entwicklung am BBZ Arenenberg aufmerksam auf das Geschehen auf dem deutschen Käsemarkt. Vermehrt wurde in den Käsetheken im süddeutschen Raum Heumilch-Käse, Käse aus silofreier Milch aus Österreich angeboten. Auch in der Schweiz soll der unattraktive Begriff «silofrei» durch Heumilch ersetzt werden. Dieses Thema ist auch in der Forschung schon länger präsent. Ein Thurgauer Student an der HAFL (Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften) hat im Auftrag vom BBZ Arenenberg eine Bachelorarbeit verfasst, welche die Österreicher Heumilch analysiert und mit der Schweiz vergleicht. Aber auch in anderen Teilen der Schweiz ist man auf die Österreicher Heumilch aufmerksam geworden, so zum Beispiel im Gebiet der Zentralschweizer Milchbauern (ZMP). Gemeinsam wurde im Juli vor einem Jahr der Verein «Heumilch Schweiz» gegründet, als Kooperation mit der ARGE Heumilch Österreich.

«Wir streben eine Wertschöpfung für alle Stufen in der Wertschöpfungskette an, so auch für die Bauernfamilien.»
Die Heumilch erfüllt einen sehr hohen Standard, was das Tierwohl und das Menschenwohl betrifft. So steht im Reglement für die 100% silofreie Milch, dass alle Kühe im Sommer mindestens 26 Tage pro Monat Auslauf auf der Weide und im Winter mindestens 13 Tage pro Monat im Laufhof haben müssen. Auch ist der präventive Einsatz von Antibiotika nicht erlaubt. Der Verein strebt eine angemessene Wertschöpfung für alle Stufen in der Wertschöpfungskette an, so auch für die Bauernfamilien. Dies garantiert einen Richtpreis von Fr. 0.70 ab Hof, der im Markennutzungsreglement vom Verein verankert ist. Der Verein finanziert sich über Beiträge pro Liter Milch und Mitgliederbeiträge. Die Aufgabe des Vereins ist es, die aufwändige silofreie Milchproduktion zu erklären, und den damit verbundenen Mehrwert zu kommunizieren. Heumilchprodukte wurden als erstes im Raum Zentralschweiz bei Coop lanciert, kommen jetzt im Sommer aber auch in grössere Märkte in der Ostschweiz.

Heumilch ist eine Investition in die Zukunft

Peter Jörg von der Chäsi Pfyn ist einer der ersten Heumilch-Verarbeiter im Thurgau. Er produziert mit der Milch vom BBZ Arenenberg Joghurts und Weichkäse in Heumilch-Qualität. Seine Motivation ist, zukünftig nur noch Heumilch zu verarbeiten. So können neue Absatzkanäle erschlossen werden und er kann sich von den grossen Industriebetrieben abheben. Dass er für den Rohstoff Heumilch einen höheren Preis als marktüblich bezahlen muss, ist für ihn eine Investition in die Zukunft. Er erhofft sich, dass der Konsument auch bereit ist, für hochwertige und tierfreundliche Produkte etwas mehr zu bezahlen. Eine Differenzierung sei gerade für ihn als Kleinproduzent sehr wichtig, so auch in der Rezeptur seiner Produkte. Eine neue Joghurt-Linie ohne Zusätze, nur mit Milch, Zucker und regionaler Fruchtzubereitung, ist im Aufbau. «Sie schmecken wie früher, ganz natürlich», sagen die Kunden.

«Die Milchkühe der Zukunft sollen fressen, was die Region an Futter hergibt.»

Natürliche Milch hat ihren Ursprung schon viel früher als man annimmt. Dieses Ziel hat sich auch die Interessengemeinschaft «IG Neue Schweizer Kuh» am BBZ Arenenberg für die Zukunft gesetzt. Verschiedene Milchproduzenten aus der ganzen Deutschschweiz machen sich bewusst Gedanken darüber, welche Eigenschaften die Kühe der nächsten Generation haben sollen. Sie wünschen sich eine Milchkuh, welche mit den jeweiligen geografischen Gegebenheiten und dem Grundfutter, das sich vor Ort bietet, nachhaltig und gesund eine Wertschöpfung für die Bauernfamilien bringt. «Die Kuh entsprechend an den Betrieb anpassen und nicht umgekehrt.»
Am BBZ Arenenberg zeigt sich, welche Wirkung ein Zusammenspiel der Überlegungen im Stall und auf der Weide, in der Verarbeitung der Milch zu Produkten und der Vermarktung samt Kommunikation beim Konsumenten haben kann. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Tierfreundlichkeit legen die Basis, um mit kleinen Schritten eine grosse Wirkung für die Zukunft zu erzielen.

Heumilchprodukte
Aus Heumilch werden derzeit bereits mehrere Joghurt- und Käsesorten hergestellt, die unter anderem von einem Schweizer Grossverteiler verkauft werden.

Milchkanne