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Die Schweinegrippe war eine der grössten Herausforderungen

Seit fast 30 Jahren amtet Rainer Andenmatten als Kantonsapotheker des Kantons Thurgau. Er war der erste in diesem Amt, dessen Aufgaben sich in den vergangenen Jahren stark verändert haben. Gleichzeitig ist Andenmatten Geschäftsführer der Spitalpharmazie Thurgau AG. In diesen Laboren werden noch immer eigene Arzneimittel hergestellt, die AG generiert mittlerweile einen Umsatz von gegen 40 Millionen Franken. Ende Jahr geht Rainer Andenmatten in Pension.

Seit dem 1. Januar 1989 ist Rainer Andenmatten als Kantonsapotheker tätig. Er war damals der erste in diesem Amt im Kanton Thurgau. Ende Jahr nun geht er in Pension. Danach wird Nadja Müller das Amt übernehmen – nicht nur für den Thurgau, sondern auch für Schaffhausen. Denn die Kantone haben beschlossen, die Heilmittelkontrolle zum Vollzug der gesetzlichen Bestimmungen über die Heil- und Betäubungsmittel ab dem kommenden Jahr gemeinsam zu führen. Rainer Andenmatten ist daher nicht nur der erste, sondern wird auch der einzige nur für den Thurgau zuständige Kantonsapotheker gewesen sein.

Anlässlich einer Sommermedienfahrt in Münsterlingen blickte Rainer Andenmatten auf seine vielseitige Arbeit zurück, die sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und intensiviert hat. So entdeckte er einmal eine grosse Hanf-Kultur, die in einem Maisfeld versteckt war. «Der Landwirt meinte wohl, wir würden sie nicht finden und den Hanf somit auch nicht auf seinen THC-Gehalt kontrollieren», sagte Andenmatten. Es sind aber nicht nur unterhaltsame Anekdoten, an die er sich erinnert. «Eine der grössten Herausforderungen war, als wir während der Schweinegrippe die Medikamente organisieren und deren Ausgabe koordinieren mussten.» Auf eine Errungenschaft während seiner Amtszeit ist Andenmatten besonders stolz: «Der Thurgau war der erste Kanton in der Ostschweiz, in denen Apotheker impfen durften.»

Früher eine Spitalapotheke als viele andere

Bereits bevor Rainer Andenmatten sein 40-Prozent-Pensum beim Kanton antrat, war er Spitalapotheker im Kantonsspital Münsterlingen. Das Kantonsspital hat seit 1951 eine eigene Apotheke, früher als viele grössere Spitäler. «Damals löste das ziemlichen Widerstand aus», weiss Rainer Andenmatten. Schon früh wurde dabei von der «Kantonsapotheke» gesprochen, was allerdings nicht stimmte. Denn für die Heilmittelkontrolle waren damals noch der Kantonschemiker und der Kantonsarzt zuständig. «Selbst im Gesundheitsgesetz von 1985 war der Kantonsapotheker noch nicht erwähnt. Erst vier Jahre später wurde dieses Amt eingeführt», sagte Rainer Andenmatten. Bis im Jahr 2000 bildeten der Kantonsapotheker und die Spitalapotheke eine Einheit. Doch mit Gründung der Spital Thurgau AG erfolgte die Trennung.

Seither ist Rainer Andenmatten auch Geschäftsführer der Spitalpharmazie Thurgau AG. Auch diese Stelle gibt er per Ende Jahr auf, sein Nachfolger heisst Volker Ebert. Die Gesellschaft gehört mittlerweile zu den zehn grössten ihrer Art in der Schweiz, 2016 betrug der Umsatz bei über 70 000 Bestellungen gegen 40 Millionen Franken. In den vergangenen sieben Jahren hat sich der Umsatz damit verdoppelt. «Als erste Apotheke der Schweiz hatten wir eine Kommissionierungsanlage, ausserdem hatten wir als eine der ersten einen internetbasierten Webshop. Unser Logistikzentrum beliefert rund 30 stationäre Einrichtungen des Gesundheitswesens, zum Beispiel Spitäler, mit Medikamenten. Das Sortiment umfasst derzeit rund 2500 verschiedene Produkte», sagte Rainer Andenmatten auf einem Rundgang durch das Institut.

Medikamente für Kinder werden selber hergestellt

Einen Teil der Arzneimittel stellt die Spitalpharmazie Thurgau AG selber her. Dazu gehören Stechampullen und Infusionen, die mangels Rentabilität von der Pharmaindustrie nicht produziert werden. «Eine weitere Spezialität ist die Herstellung von Medikamenten für Kinder – ausgehend von Produkten für Erwachsene werden Kapseln in niedriger Dosierung hergestellt», erklärte Karin Preter, die Leiterin der Abteilung Produktion. Im Zytostatikalabor stellt die Spitapharmazie ausserdem onkologische Therapien zur Behandlung von an Krebs erkrankten Patienten in den Kantonsspitälern Münsterlingen und Frauenfeld her. 2013 wurde als viertes Standbein der Pharmazie Thurgau AG die öffentliche Campus-Apotheke eröffnet.

Kantonsapotheker Rainer Andenmatten und sein Nachfolger als Geschäftsführer der Spitalpharmazie Thurgau AG, Volker Ebert, informierten in Münsterlingen über die Arbeit des Kantonsapothekers und die Spitalpharmazie.
Kantonsapotheker Rainer Andenmatten und sein Nachfolger als Geschäftsführer der Spitalpharmazie Thurgau AG, Volker Ebert, informierten in Münsterlingen über die Arbeit des Kantonsapothekers und die Spitalpharmazie.