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Biomassekonzept zeigt Wirkung

Im Jahr 2014 hat der Grosse Rat das kantonale Biomassekonzept freigegeben. Die Umsetzung kann als Erfolg bezeichnet werden, wie sich bei der heutigen Präsentation des Abfallberichts 2017 zeigte: Die Anzahl der Vergärungsanlagen nimmt stark zu.

Grüngut, Rüstabfälle und Speiseresten aus privaten Haushalten werden häufig kompostiert, landen aber auch in der Kehrrichtverbrennungsanlage oder werden ausserhalb des Kantons vergärt. Das muss nicht sein, und ist auch immer weniger häufig der Fall. 2014 hat sich der Kanton Thurgau zum Ziel gesetzt, biogene Abfälle verstärkt energetisch zu nutzen – ganz im Sinne der kantonalen Energiestrategie. Der Abfallbericht 2017 zeigt nun, dass dies gelingt. Die Anzahl der Vergärungsanlagen im Kanton Thurgau nimmt stark zu. Zu den heute sieben Anlagen könnten demnächst weitere dreizehn Anlagen dazukommen. Zurzeit sind eine landwirtschaftliche Vergärungsanlage und eine reine Hofdüngervergärungsanlage in Bau. Für sechs Anlagen wurde eine Baubewilligung erteilt und fünf weitere sind in Planung. Energetisch verwertet wird nach dem Prinzip «Teller-Trog-Tank» nur, was nicht mehr an Tiere verfüttert werden kann, und es werden auch keine Energiepflanzen angebaut, die die Nahrungsmittelproduktion auf dem Feld konkurrieren. Das Gärgut wird nachkompostiert und in den Nährstoffkreislauf zurückgeführt. «Diese Entwicklung kann als Erfolg gewertet werden», sagte Martin Eugster, Leiter der Abteilung Abfall und Boden im Amt für Umwelt bei der heutigen Präsentation des Abfallberichts.

Im Abfallbericht fasst das kantonale Amt für Umwelt (AfU) alle zwei Jahre die Entwicklungen der Abfallwirtschaft zusammen und zeigt Handlungsfelder und Prioritäten für die Zukunft auf. Nebst dem Biomassekonzept liegen die Schwerpunkte auf der Kunststoffsammlung (KUH-Bag), dem Recyclingkonzept für Bauabfälle und der Deponieplanung (siehe auch Kasten). An der Medienkonferenz zum Abfallbericht thematisiert wurde auch die Vermeidung von Abfällen. Viele Dinge landen im Abfall, obwohl sie nur geringfügig beschädigt sind und mit wenig Aufwand wieder voll funktionstüchtig wären. Eine fachgerechte Reparatur verlängert die Lebensdauer eines Produktes entscheidend. Deshalb unterstützt das Amt für Umwelt seit diesem Herbst die Internet-Plattform www.reparaturführer.ch. Auf der Plattform können sich Reparaturdienstleister gratis registrieren. Konsumentinnen und Konsumenten finden mit Hilfe der Stichwort- oder Kategoriensuche die geeigneten Reparaturprofis in der Nähe. Abfallmengen können dadurch verringert und Ressourcen für die Neuproduktion eingespart werden. «Während wir im Recycling schon relativ weit sind, braucht es eine grössere Bewusstseinsänderung, damit künftig mehr Abfälle gar nicht erst entstehen», so Beat Baumgartner, Chef des Amts für Umwelt. Abfallvermeidung beinhalte einerseits die bewusste Entscheidung zu weniger Konsum, andererseits aber auch einen längeren Produkteinsatz. Jede einzelne Konsumentin und jeder einzelne Konsument könne hier mitwirken und mit bewussten Entscheidungen zur Veränderung beitragen.

Wissenswertes aus dem Abfallbericht 2017

Abfallentwicklung
Rund drei Viertel des Hauskehrichts, der im Kanton Thurgau anfällt, wird in der KVA Thurgau in Weinfelden thermisch verwertet. Knapp ein Viertel wird in der KVA Bazenheid und ein Prozent in der KVA St. Gallen verbrannt. Die Pro-Kopf-Menge des Hauskehrichts lag 2016 bei 376 kg/Person. Dies entspricht einer Reduktion von 9 kg/Person im Vergleich zu 2014.

Recycling-Konzept
Der Kanton Thurgau erarbeitet derzeit in Zusammenarbeit mit dem Thurgauischen
Baumeister-Verband und dem Verband Thurgauer Kieswerke ein Konzept für den
Einsatz von Recyclingmaterial im Hoch- und Tiefbau. Das Konzept beinhaltet verschiedene Massnahmen mit dem Ziel, die Verwertung der Recycling-Baustoffe zu
fördern und gleichzeitig wertvollen Deponieraum zu schonen.

Deponieplanung
Die einzige Thurgauer Typ-E-Deponie (vorher Reaktorstoffdeponie) wird bei gleich bleibenden Abfallaufkommen in weniger als fünf Jahren verfüllt sein. Planungsarbeiten für einen Nachfolgestandort sind in Gang.

KUH-Bag
Der Pilot-Versuch mit dem Sammelsack für Kunststoffabfälle für Haushalte, dem sogenannten KUH-Bag, wird von der Bevölkerung geschätzt und gut genutzt. Insgesamt wurden während des zweijährigen Pilot-Versuchs 752 t Material gesammelt, im ersten Jahr 250 t und im zweiten Jahr 502 t. Die in KUH-Bags gesammelten Kunststoffabfälle verteilen sich auf fünf Fraktionen: 35 % Schalen, Behälter (u. a. feste
Kunststoffe), 24 % Kunststofffolien, 16 % Flaschen (ohne PET-Getränkeflaschen), 12 % andere Kunststoffe und 8 % Getränkekartons. Der Anteil an Fremdstoffen wie Gummi, Glas, Abfälle etc. ist mit 4.2 % gering, die Anteile an PET-Getränkeflaschen (0.8 %) und Metallen (Dosen, Büchsen; 0.6 %) sind minim. Dies zeigt, dass die seit langem bestehende PET-Getränkesammlung durch den KUH-Bag nicht konkurriert wird. Auch werden im KUH-Bag keine Siedlungsabfälle «entsorgt». Vor wenigen Wochen entschlossen sich die Abfallzweckverbände KVA Thurgau und Zweckverband für Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) daher, den KUH-Bag in der bisherigen Form weiterzuführen.


Martin Eugster (links) zeigt sich an der Medienkonferenz zum Abfallbericht 2017 zufrieden mit der Entwicklung.