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Brennpunkte Gesundheit Thurgau: Tag der Ernte

Die neuste Resonanztagung von Brennpunkte Gesundheit Thurgau befasste sich mit drei Herausforderungen aus dem Gesundheitswesen. Ein wichtiges Thema dabei war der Hausärztemangel; Lösungsvorschläge sind vorhanden, sie umzusetzen wird jedoch schwierig, so die Meinung der Fachleute.

Das Interesse am Projekt Brennpunkte Gesundheit Thurgau ist nach wie vor gross. An der Resonanztagung im Kloster Fischingen von Mitte Juni nahmen rund 80 Personen aus diversen Gremien teil. Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Gemeindepräsidenten und -präsidentinnen, Spitexleiterinnen, Heimleiterinnen und -leiter sowie Politikerinnen und Politiker tauschten sich zu verschiedenen Themen und Schwerpunkten des Gesundheitswesens aus. Sie alle werden demnächst einen Fragebogen zugestellt bekommen, dessen Resultate über das Weiterbestehen des Projektes entscheiden werden. «Wir leiten daraus ab, ob es weitergehen soll. Dazu brauchen wir aber die Bereitschaft aller, sich weiterhin einzusetzen, Ideen zu entwickeln und Massnahmen umzusetzen. Wenn aus den Fragebögen herausgeht, dass man dazu bereit ist, dann wird die sechsjährige Erfolgsgeschichte von Brennpunkte Gesundheit Thurgau weitergeschrieben.» Die Worte von Projektleiter Felix Helg sind klar und unmissverständlich. Trotzdem lassen die zahlreichen Voten den Schluss zu, dass das Projekt eine Zukunft hat. Felix Helg betonte, dass er stolz ist auf das bisher Erreichte und auf den grossen Einsatz der Teilprojektleiterinnen und -leiter. «Das Projekt lebt, das zeigt die einmal mehr grosse Teilnehmerzahl an dieser Resonanztagung. Alle opfern Zeit, um hier mitzuwirken; das gibt uns die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Für uns ist das so etwas wie der Tag der Ernte.»

Hausärztemangel und kein Ende in Sicht

Christoph Tobler, Teilprojektleiter «hausärztliche Grundversorgung», sammelte in seiner Gruppe zahlreiche Inputs zum Umgang mit dem Hausärztemangel. Ziel ist es, diesem in den Gemeinden immer grösser werdenden Problem entgegenzuwirken. Heute praktiziert bereits in 40 Prozent aller Thurgauer Gemeinden kein Hausarzt mehr. Ärztezentren mit einem grösseren Einzugsgebiet können dabei eine Lösung sein. Die Hoffnung auf Besserung liegt unter anderem bei den Gemeinden. So sollen sie Unterstützung bieten bei Nachfolgeregelungen. «Das passiert schon in einigen Gemeinden – ebenso wie auch die Unterstützung bei der Schaffung von Gemeinschaftspraxen oder bei der zur Verfügungsstellung von Räumlichkeiten», sagt Christoph Tobler. Eine Anlaufstelle für interessierte Hausärztinnen und Hausärzte – die von den Gemeinden, der Ärztegesellschaft und dem Kanton gemeinsam getragen wird – wird die Ansiedelung künftig gezielt unterstützen.

Neben dem Hausärztemangel wurde an der Tagung auch darüber diskutiert, wie die vielfältigen Beratungs- und Dienstleistungsangebote im Gesundheitswesen der Öffentlichkeit und den Fachleuten auf überzeugende Art vermittelt werden können. Und last but not least orientierte die Teilprojektleiterin Anna Hecken über das Präventionsangebot «Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen», das mit Jugendlichen erarbeitet worden ist und ab sofort den Thurgauer Berufs- und Mittelschulen zur Verfügung steht.

Starkes, aber optimierbares Gesundheitswesen

Regierungsrat Jakob Stark, Chef des Departements für Finanzen und Soziales, begleitete den Anlass und liess es sich nicht nehmen, das Projekt und die Personen dahinter zu loben. «Unser Gesundheitswesen ist stark, aber mit zusätzlichen Anstrengungen kann es weiter optimiert werden. Brennpunkte Gesundheit Thurgau hat genau hier angesetzt und in den vergangenen sechs Jahren einige Projekte lanciert und umgesetzt.» Stark betonte, dass es im Gesundheitswesen unerlässlich sei, die ganze Bandbreite von Gremien und Institutionen mit im Boot zu haben. «Miteinander Vertrauen erarbeiten, damit die persönlichen und finanziellen Herausforderungen gemeistert werden können», so das Credo des Regierungsrates.

Neue Kommission gegründet

Auf das Jahr 2018 setzte der Regierungsrat eine Kommission Thurgau Gesundheit ein. Die Kommission leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtschau im Gesundheitswesen des Kantons Thurgau. Für das Präsidium konnte die Thurgauer Theologin und Philosophin Christina Aus der Au gewonnen werden. Sie ist Titularprofessorin an der Theologischen Fakultät der Universität Basel und lehrt an der Universität und an der ETH in Zürich. Die neu eingesetzte Kommission Thurgau Gesundheit berät den Chef des Departements für Finanzen und Soziales (DFS) sowie den Regierungsrat bei der Beantwortung von strategischen Fragestellungen im Gesundheitswesen. In Abstimmung mit der neuen Präsidentin wird die Steuergruppe Brennpunkte Gesundheit Thurgau in den kommenden Wochen weitere Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des Thurgauer Gesundheitswesens für den Einsatz in der Kommission anfragen. Die vollständig zusammengesetzte Kommission wird ihre Arbeit im kommenden Jahr aufnehmen.

Setzen sich ein für einen gesunden Thurgau. Von links: Felix Helg (Projektleiter Brennpunkt Gesundheit Thurgau), Christina Aus der Au (Präsidentin Kommission Thurgau Gesundheit), Jakob Stark (Regierungsrat), Daniel Jud (Präsident Ärztegesellschaft Thurgau), Peter Heri (Finanzchef Spital Thurgau AG), Christa Lanzicher (Geschäftsführerin Spitex Verband Thurgau), Christa Thorner (Perspektive Thurgau), Olivier Kappeler (Leiter Amt für Gesundheit).

Christina Aus der Au ist neue Präsidentin der «Kommission Thurgau Gesundheit». An der Resonanztagung von «Brennpunkt Gesundheit Thurgau» stellte sie sich und ihre Arbeit vor.