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Arenenberg lässt Schmugglergeschichte wieder aufleben

Die Rebsorte Müller-Thurgau ist heute eine der am meisten angebauten Weissweinzüchtungen. Im Weingut Arenenberg wurde sie schon in frühen Jahren, also Ende des 19. Jahrhunderts, angebaut. Weil ihm der Wein derart gut schmeckte, schmuggelte Johann Baptist Röhrenbach aus Immenstaad Pfropfreben nach Deutschland. Es war der Anfang einer aussergewöhnlichen Zusammenarbeit, die nun wieder aufgenommen wird.

Es ist der Stoff für einen Krimi. Einen Krimi allerdings mit einem guten Ende. Denn am Ende steht eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Arenenberg und dem Weingut Röhrenbach. «Am Anfang dieser Geschichte steht in den 1920 Jahren tatsächlich eine bewegende Geschichte von Schmugglern», sagte Peter Mössner, stellvertretender Kellermeister im Weingut des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg, anlässlich einer Medienorientierung.

Die Geschichte geht folgendermassen: In einer Nacht im April 1925 fahren Albert Röhrenbach (Sohn von Johann Baptist Röhrenbach) und Gottfried Ainser mit einem Fischerboot von Hagnau nach Ermatingen, um heimlich 400 Pfropfreben aus der Schweiz nach Deutschland zu schmuggeln. Nach über acht Stunden Rudern legt das Boot wieder in Hagnau an und die Erfolgsgeschichte der Rebsorte Müller-Thurgau nimmt ihren Lauf. Denn der damalige Verwalter von Schlossgut Kirchhof, Johann Baptist Röhrenbach, ist überzeugt, dass der früh reifende Müller-Thurgau die Not der Bodensee-Winzer lindern und den maroden Weinbau kurieren könnte. Weil Röhrenbachs Vorgesetzte ihn wiederholt abblitzen lassen, fasst er den Entschluss, die Rebsorte heimlich anzupflanzen. Mit Erfolg. Und so entsteht die Zusammenarbeit mit dem Weingut Arenenberg, wo schon zu Napoleons Zeiten der eigene Wein gekeltert wurde.

Die aussergewöhnliche Zusammenarbeit von Johann Baptist Röhrenbach und dem Arenenberg hat das Team des Weinguts Arenenberg dazu veranlasst, den Kontakt zum Weingut Röhrenbach in Immenstaad aufzunehmen. «Die Idee ist, die Geschichte um den Müller-Thurgau mit allen Sinnen erlebbar zu machen», sagte Peter Mössner. Dazu wurde zusammen mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) ein attraktives Angebot geschaffen. Der Beginn des Ausflugs ist eine Schifffahrt, um den Weg der Ruderer zu erkunden. Danach geht es zu Fuss weiter auf eine geführte Rebbergwanderung inklusive Degustationen von Müller-Thurgau-Weinen. Die Müller-Thurgau-Schifffahrten sind im Herbst geplant. «Wir wollen aufzeigen, dass der Bodensee auch bezüglich Wein ein verbindendes Element ist», sagte Bernhard Müller, Leiter Regionale Entwicklung im Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg.

Die Rebsorte Müller-Thurgau

Gezüchtet wurde die Rebe 1882 in der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau von Hermann Müller aus Tägerwilen. Hermann Müller war zunächst allerdings nicht sicher, welche Rebsorten er tatsächlich verwendet hatte. Müller glaubte, eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner vorgenommen zu haben. Erst bei einer Genuntersuchung Ende der 1990er Jahre wurde klar, dass es sich bei der Sorte Müller-Thurgau um eine Kreuzung zwischen Riesling und Madeleine Royale handelt. Die Rebsorte wurde schon in ihren Anfängen auf einer Parzelle am Schloss Arenenberg angebaut. 1891 wechselte Hermann Müller an die eidgenössische Forschungsanstalt in Wädenswil. Heute ist der Müller-Thurgau weltweit eine der erfolgreichsten Weissweinzüchtungen.

Der stellvertretende Rebmeister Peter Mössner und Bernhard Müller, Leiter Regionale Entwicklung im Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg
Der stellvertretende Rebmeister Peter Mössner und Bernhard Müller, Leiter Regionale Entwicklung im Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, präsentierten Spannendes aus der Geschichte des Müller Thurgau.