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300 Jahre Thurgauer Weltindustrie

Der Thurgau gilt als Landwirtschaftskanton. Was viele nicht wissen: Der südliche Bodenseeraum gehört zu den früh industrialisierten Gebieten Europas. Bereits im 17. Jahrhundert entwickelt sich hier eine florierende Textilindustrie, die für Land und Leute grundlegende Veränderungen bringt.

Die Sonderausstellung «Schreck & Schraube. Weltindustrie im Thurgau» im Alten Zeughaus Frauenfeld skizziert einen Kontrast zum landläufigen Bild des Kantons: Statt Apfelbäume und idyllische Landschaften zeigt sie die Innovationskraft von cleveren Thurgauer Tüftlern, den Fleiss hiesiger Fabrikarbeiter, aber auch die Schattenseiten der Industrialisierung wie vergiftete Flüsse und verdingte Kinder. An der öffentlichen Führung vom Samstag, 18. August 2018, um 15 Uhr lädt Kunsthistorikerin Samira Tanner zu einer aufschlussreichen Tour d’Horizon durch 300 Jahre Thurgauer Industriegeschichte ein.

Thurgauer Pioniere

Was hat Silicon Valley mit Hauptwil zu tun? Welche Liaison bestand zwischen dem Islikoner Unternehmer Bernhard Greuter und Indien? Weshalb sorgten ausgerechnet Einwanderer aus Deutschland für einen unvergleichlichen wirtschaftlichen Aufschwung im Thurgau des 19. Jahrhunderts? Die Geschichte der Industrialisierung im Thurgau ist von brillanten Köpfen, tatkräftigen Ausländern und mutigen Unternehmern geprägt. Sie treiben den Fortschritt voran und fertigen Maschinen, die immer effizienter werden. Gibt es auch Verlierer dieser Entwicklung?

Schattenseiten und Nischenmärkte

Umweltschäden, soziale Konflikte, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken: Das sind die Kehrseiten des Fortschritts. Samira Tanner thematisiert an der Führung diese eklatanten Missstände, die heute noch aktuell sind – auch wenn wir sie erfolgreich aus unserem Gesichtsfeld verbannt haben. Sie zeigt zudem auf, wie Schweizer Unternehmen erfolgreich durch Krisen navigieren und immer wieder Spitzenprodukte hervorbringen. Was macht uns so erfolgreich?

Industrialisierung erleben

Ein Highlight der Führung: Spinn-Expertin Sybill Boller nimmt die Spinning Jenny in Betrieb. Die erste industrielle Spinnmaschine und Arbeiterschreck im 18. Jahrhundert bringt in England die Industrialisierung ins Rollen. Wenn die schweizweit einzige Replik im Einsatz ist, wird schlagartig klar, wie die Industrialisierung die Existenz der Heimarbeiterinnen und -arbeiter in Frage gestellt hat.

Am Ende der Führung im Alten Zeughaus Frauenfeld können Besucherinnen und Besucher selbst entscheiden: Macht uns Industrialisierung Angst? Bedeutet sie Fortschritt oder Ausbeutung? Eintritt frei, ohne Anmeldung.

Die Autos von Martini zeugen vom pionierhaften Thurgau im Zeitalter der Industrialisierung.  Bildkredit: Fotosammlung Hansulrich Guhl, Frauenfeld