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Den mittelhäufigen Arten geht es wieder besser

Seit 2009 untersucht das Biodiversitätsmonitoring Thurgau die Artenvielfalt von Vögeln, Tagfaltern und Pflanzen. Die erste Bilanz zeigt, dass kein weiterer Rückgang von mittelhäufigen Arten festgestellt werden konnte. Die Massnahmen im Landwirtschaftsgebiet scheinen zu wirken. Doch es gibt auch Verlierer.

Seit 2009 erhebt der Kanton Thurgau auf 72 Untersuchungsflächen von je einem Quadratkilometer Fläche die Vielfalt an Brutvögeln, Tagfaltern und Pflanzen. Die zweite Erhebungsperiode ist nun abgeschlossen und die Ergebnisse stimmen verhalten optimistisch. Zwischen den Jahren 2009 und 2012 sowie 2013 und 2017 konnte eine Stabilisierung der Artenvielfalt von Pflanzen festgestellt werden. Bei den Tagfaltern stieg die durchschnittliche Artenzahl pro Untersuchungsfläche von 21 auf 23, bei den Brutvögeln von 36 auf 39, sagten Kantonsplanerin Andrea Näf und Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im Amt für Raumentwicklung, an einer Medienorientierung.

Besser geht es vor allem mittelhäufigen Arten, die keine allzu grossen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Beispiele solcher Arten sind Flockenblume, Grosses Ochsenauge und Distelfink. Vereinfacht gesagt: Sie sind deutlich anspruchsvoller als der Löwenzahn oder der Kohlweissling, jedoch keine Lebensraumspezialisten wie der Frauenschuh oder andere einheimischen Orchideen.

Erfreulich ist, dass sich die Artenvielfalt von Pflanzen, Vögeln und Tagfaltern in Landwirtschaftsgebieten mit Vernetzungsfunktion besser entwickelt als ausserhalb. In diesen Korridoren, die der Vernetzung von Naturschutzgebieten dienen, fördern Bund und Kanton Biodiversitätsförderflächen von Landwirten mit Zusatzbeiträgen von jährlich rund 2,5 Millionen Franken. Zudem bietet das kantonale Amt für Raumentwicklung Beratungen und unterstützt die Ansaat von Blumenwiesen finanziell. Nicht ohne Wirkung: So hat beispielsweise zwischen 2003 und 2017 die Wiesenfläche mit hoher Artenvielfalt – sogenannte Qualitätsstufe II – in den Vernetzungskorridoren von rund 70 auf 380 Hektaren zugenommen.

Allerdings gibt es auch Verlierer: Prominente Beispiele sind Kuckuck, Aurorafalter und Wegwarte. Viele Arten, die auf trockenen Magerwiesen oder in Übergangsbereichen von Wald und Wiese wachsen, sind seltener geworden. Vögeln wie der Feldlerche, die auf Äckern oder Wiesen brüten, konnte mit den bisherigen Massnahmen nicht ausreichend geholfen werden. Auch Lebensraumspezialisten der roten Liste sind weiterhin stark unter Druck. Ein weiterer negativer Trend macht auch vor dem Thurgau nicht Halt: Die Pflanzenvielfalt nahm im Landwirtschaftsgebiet ohne Vernetzungsfunktion weiter ab. Euphorie wäre also fehl am Platz. Überall – im Siedlungsgebiet, im Wald, in Naturschutzgebieten und in der Landwirtschaft – besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.

Das Monitoring zeigt, dass gerade auch das Siedlungsgebiet erschreckend naturfern und arm an Schmetterlingen und vor allem an Vögeln geworden ist. Der Bestand von einigen Allerweltsarten wie dem Grünfink ist geradezu eingebrochen. Mit mehr einheimischen Pflanzen, weniger Mähen sowie dem Verzicht auf Dünger und Pestizide in Gärten, Grünflächen und Strassenböschungen wäre der Artenvielfalt vielerorts geholfen.

Die Wiesensalbei hat sich in den Vernetzungskorridoren positiv entwickelt, ausserhalb nahm ihr Bestand ab (Foto Thomas Stalling).

Der Bestand des Schachbrettfalters konnte in Vernetzungskorridoren zulegen, ausserhalb davon ist er deutlich seltener geworden (Foto Thomas Stalling).

Die Goldammer ist eine Heckenbewohnerin. Ihr Bestand hat sich innerhalb der Vernetzungskorridore positiv entwickelt, ausserhalb negativ (Foto Rita Schmidlin).