Direkt zum Inhalt springen
 

Zusammenarbeit im Namen der Kunst

Die Kartause Ittingen ist ein Ort, an dem Besucherinnen und Besuchern Kultur, Natur und Genuss in vielfältigen Formen erleben können. Darüber hinaus bietet die ehemalige Klosteranlage Menschen mit einer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung eine sinnvolle Beschäftigung und ein behagliches Zuhause. In der Ausstellung «Till Velten – La condition humaine» im in der Kartause angesiedelten Kunstmuseum Thurgau werden aktuell Porträts aussergewöhnlicher Menschen gezeigt, darunter die von drei betreuten Mitarbeitenden der Kartause.

Was ist der Mensch? Und: Welches Bild machen wir uns von ihm? Um diese Fragen kreist die Installation «La condition humaine» von Till Velten, die im Kunstmuseum Thurgau noch bis zum 27. Oktober 2019 gezeigt wird. Der Basler Konzeptkünstler schafft eine Serie von Porträts von aussergewöhnlichen Menschen und stellt diese einer Auswahl von Werken des Autodidakten und Aussenseiterkünstlers Erich Bödeker (1904–1971) gegenüber. Velten schafft so Erfahrungsfelder, auf denen sich das Publikum grundsätzlichen Fragen über die menschliche Existenz stellen muss.

Porträts von betreuten Mitarbeitenden der Kartause

Für drei seiner fünf in der Ausstellung gezeigten Videoarbeiten porträtierte Till Velten drei betreute Mitarbeiter der Kartause Ittingen, die zum Teil auch auf der Anlage leben. Valentin Stöckle, Alex Kunz und Urban Wymann sind in unterschiedlichen Betrieben der Kartause tätig und haben eine jeweils eigene Sicht auf ihre tägliche Arbeit. Die Anwesenheit der betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist im positivsten Sinne prägend für die gesamte Anlage der Kartause. Die Ausstellung von Till Velten ist ein aktuelles Beispiel, wie die Museen vor Ort im steten Austausch mit den Bewohnern und Mitarbeitern der Kartause stehen.

Es sind nicht Stars oder Intellektuelle

Eine der künstlerischen Strategien von Till Velten besteht darin, Menschen zu interviewen, ihnen Fragen zu bestimmten Themen zu stellen, mit denen er sich selbst gerade beschäftigt. Velten erstellt Videoporträts von ausgewählten Personen, von besonderen Menschen. Nicht Stars oder Intellektuelle interessieren ihn, sondern Menschen, die ihm aufgrund besonderer Intensitäten aufgefallen sind, etwa eine Blinde, die sich durch den Stadtverkehr Wiens bewegt, eine Therapeutin, deren Gestik den Künstler in seinen Bann zog, oder eben einen Mitarbeiter in der Gärtnerei der Kartause Ittingen, der mit seinen geschickten Händen die Wurzeln von Pflanzen auf ganz eigenartige Weise zu bearbeiten vermag.

Der LOOP als weiteres Beispiel

Als weiteres gelungenes Beispiel einer solchen Kooperation kann der vor den Klostermauern aufragende LOOP des Künstlerduos Bildstein | Glatz genannt werden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Kunstwerk ohne die tatkräftige Unterstützung der betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung nicht in dieser Dimension hätte erbaut werden können.

Im Kunstmuseum Thurgau werden pro Jahr ungefähr vier Wechselausstellungen gezeigt, die regionale, nationale und internationale Kunst zeigen, wobei das Gezeigte immer einen engen Bezug zum Ort und zu den Sammlungsschwerpunkten aufweist.

«Till Velten – La condition humaine», Ausstellungsansicht 2018/2019, Kunstmuseum Thurgau, Foto: Stefan Rohner