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Kunstmuseum Thurgau, „Feierabend im Museum“: Die Befreiung des Körpers – Helen Dahms Auseinandersetzung mit dem Tanz

Vortrag von Markus Landert

Die Künstlerin Helen Dahm (1878–1968) schuf ab 1915 eine aussergewöhnliche Serie von Arbeiten auf Papier, die um das Thema des Tanzens kreisen. Gezeigt werden nackte, teilweise exaltiert tanzende Frauen, in deren Körper Form und Bewegung eins werden. Die Figuren bewegen sich in Zuständen zwischen Ekstase und eurythmischer Harmonie. In einem Vortrag in der Reihe „Kunst einfach erklärt“ skizziert der Museumsdirektor Markus Landert am 7. Februar 2019 im Kunstmuseum Thurgau den historischen Kontext dieser Tanzbilder und zeigt auf, inwiefern diese Tanzbilder als Ausdruck der Befreiung des Körpers und der Kunst gelesen werden können. 

Helen Dahms Beschäftigung mit dem Tanz geschieht nicht losgelöst von den Strömungen ihrer Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts verzauberten Ausdruckstänzerinnen wie Mary Wigmann, Isodora Duncan oder Loïe Fuller mit ihren Auftritten auf den Bühnen der Welt ein breites kulturinteressiertes Publikum. Und Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner oder Emil Nolde spürten in ihren Bildern von ekstatisch Tanzenden den Bedürfnissen ungehemmten Körpers nach. In den freien Tanzbewegungen realisierten sich die Freiheitsideale einer ganzen Generation, die Alternativen suchten zu den Zwängen der bürgerlichen Kultur. Dadurch wurde der Ausdruckstanz Teil einer umfassenden Reformbewegung, die nach einem radikal neuen Lebensentwurf suchte.

Helen Dahms Tanzbilder sind eindrückliche Beispiele dieser Suche nach einem alternativen Leben. Sie dokumentieren die Sehnsucht einer ganzen Generation von Künstlerinnen und Künstler nach einer neuen Unmittelbarkeit. In seinem Vortrag bettet der Museumsdirektor Markus Landert die Bilder von Helen Dahm in diese umfassendere Freiheitsbewegung ein und skizziert unter Beizug von vielfältigen Bildbeispielen die herausragende Bedeutung der Künstlerin in der schweizerischen Moderne.

Der Vortrag aus der Reihe „Kunst einfach erklärt“ ist Teil des Veranstaltungsprogramms zur Ausstellung „Helen Dahm – Ein Kuss der ganzen Welt.“ Helen Dahm gehört zu den Pionierinnen und Grenzgängerinnen der Schweizer Moderne. Die eigenwillige Thurgauerin nahm nach ersten Ausbildungsschritten in Zürich in der damaligen Kunstmetropole München künstlerische Impulse der europäischen Moderne auf. Zurück in Zürich und später in Oetwil am See schuf sie in einem unbändigen Schaffensstrom einen ausufernden Kosmos von Bildwelten, der Blumenstilleben ebenso umfasste wie religiöse Visionen oder abstrakte Experimente. Die umfassende Retrospektive ihres Werks ist bis am 25. August 2019 im Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen zu sehen.

Das Kunstmuseum Thurgau bleibt an diesem Tag durchgehend bis 20.30 Uhr geöffnet.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

 

Veranstaltungsort

Kartause Ittingen
8532  Warth

Weitere Informationen

Tel. +41 58 345 10 60
sekretariat.kunstmuseumNULL@tg.ch
http://www.kunstmuseum.ch

Organisation

Kunstmuseum Thurgau