Direkt zum Inhalt springen
 

Mehr Schein als Sein?

Die Museumshäppli des Historischen Museums Thurgau finden traditionellerweise im Gerichtssaal auf Schoss Frauenfeld statt. Dieser mit Wappen und anderen Malereien reich verzierte Repräsentationssaal bildet für einmal nicht den Rahmen, sondern das Thema des unterhaltsamen Kurzreferats über Mittag.


Das Anbringen von Wappen und Malereien war früher weniger eine ästhetische als eine politische Angelegenheit. So auch im Gerichtssaal von Schloss Frauenfeld, wo im 17. Jahrhundert entlang der Wände ein Zyklus mit den Wappen der regierenden Landvögte entstand. Am Museumshäppli von Donnerstag, 23. Februar 2017 um 12.30 Uhr geht Historiker Peter Niederhäuser der lang umstrittenen Entstehungsgeschichte der machtbekundenden Malereien auf den Grund und bringt dabei manch Erstaunliches über deren Bedeutung ans Licht.

Aussagestarker Geschichtsträger

Über die Bau- und Besitzergeschichte von Schloss Frauenfeld ist erstaunlich wenig bekannt. Obwohl die eidgenössischen Orte die Anlage 1534 erwarben und bis 1798 als Thurgauer Landvogteisitz nutzten, bleiben Leben und Alltag der Landvögte in diesen alten Mauern weitgehend im Dunkeln. Das bedeutendste Denkmal dieser Epoche ist der Gerichtssaal, der mit seinen figürlichen und dekorativen Malereien und den nach Kantonen geordneten Wappen der Landvögte einen Einblick in die Zeit der Landvogtei Thurgau ermöglicht.

Legitimation oder Kompensation?

Durch Landvogt Hirzel 1658/59 in Auftrag gegeben, erwies der gemalte Wappenfries den eidgenössischen Orten zweifellos Ehre und legitimierte deren Herrschaft. Wo, wenn nicht im Landvogteischloss, konnten die eidgenössischen Orte ihre Macht sichtbar machen? Mit der lückenlosen Aneinanderreihung der Wappen wurde der feste historische Anspruch der «Gnädigen Herren» auf den Thurgau dokumentiert und eine Tradition geschaffen, welche die Herrschaft der Landvögte als eine beinahe ewige Grösse darstellte. Nur: Wie mächtig waren die Landvögte im Thurgau tatsächlich? Lässt sich der Wappenzyklus nicht auch als absichtlich übersteigerte Selbstdarstellung lesen, die letztlich über die eher bescheidene Grundlage der eidgenössischen Herrschaft hinwegtäuschen sollte?

Peter Niederhäuser liefert im Kurzreferat auf Schloss Frauenfeld aufschlussreiche Antworten. Eintritt frei, ohne Anmeldung

Stube
Das Wappenfries im Gerichtssaal von Schloss Frauenfeld verrät viel über die Thurgauer Geschichte.